Studieren auf Pump
Die Studienfinanzierung, auch als Studentenkredite oder Studienkredite bezeichnet, sind längst Normalität
geworden. Immer häufiger nutzen Studenten/innen nicht nur die Möglichkeit des Bafögs, das monatliche Budget
wird mit einem Studentenkredit verbessert. Die Studentenkredite dienen zur Verbesserung des täglichen Lebensunterhaltes.
Doch Experten warnen, Studentenkredite bergen immer häufiger die Gefahr der Überschuldung. In den letzten Jahren hat die
Zahl der Studentenkredite rapide zugenommen. Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) hat fast 100.000 Kreditzusagen
für einen Studienkredit zugesagt. Im Jahr 2010 wurden 20.000 neue Kredite vergeben, ein neuer Rekordwert.
Die Schuldenhöhe am Ende einer voll ausgenutzten Studienzeit ist enorm. Studiert der Student/ die Studentin 14
Semester zu Ende und schöpft den möglichen Kreditrahmen aus, steht der Kreditnehmer am Ende der Studienzeit
mit 50.000 Euro im Minus. Werden Beitragsdarlehen und Studentenkredit genutzt, steigt die Kreditsumme sogar
auf bis zu 70.000 Euro. Doch auch wer nicht die Höchstsumme ausschöpft, steht am Ende nicht selten vor seinem
ersten Schuldenberg.
Studium keine Garantie für einen Arbeitsplatz
Die Lage ist verzwickt, denn das Studium ist noch lange keine Garantie für einen gut bezahlten Arbeitsplatz.
Was passiert, wenn nach dem Studium erst einmal die Arbeitslosigkeit droht oder der Student zunächst einen
schlecht bezahlten Job annehmen muss? Auf der anderen Seite sind viele Studenten ohne Studentenkredit gar
nicht in der Lage einen Studienplatz anzunehmen. Viele Eltern können ihre Kinder gar nicht in solch einem
Ausmaß finanziell unterstützen, so dass das monatliche Budget ohne jegliche Kredite und Beihilfen ausreicht.
Die KfW vergibt die Studienkredite ohne Anspruch auf ein bestimmtes Studienfach. Das bedeutet theoretisch
jeder kann einen Studienkredit beantragen, auch wenn die Chance auf einen späteren Arbeitsplatz schlecht
steht. Außerdem ist der Studentenkredit der KfW variabel verzinst. Steigen die Zinsen in den nächsten
Jahren, was mit Ausblick auf die kürzlich erfolgte Leitzinserhöhung sehr wahrscheinlich ist, werden sich
auch die Studentenkredite verteuern. Die Belastungen für die jungen Menschen werden steigen. Ob die
Überschuldung von Studenten zu einem Massenphänomen werden wird, kann noch niemand genau vorhersagen, Tatsache
wird sein, dass das Problem künftig zunehmen wird.
Wenige bundesweite Anbieter für Studentenkredite
Die Auswahl verschiedener Anbieter für Studentenkredite ist gering. Führend für Studentenkredite ist die
KfW, weitere Anbieter sind die Deutsche Bank, die Hamburger Sparkasse (Haspa) und die Deutsche Kreditbank (DKB).
Zum Teil bieten auch regionale Banken und Sparkassen einen Studentenkredit an. Ein überregionaler
Studentenkredit Vergleich
fällt aber schwer und ist nicht mit einem normalen Ratenkredit Vergleich vergleichbar.
Das Darlehen der KfW ist in seinem Zinssatz unschlagbar. Der Zinssatz bleibt während der Auszahlungsphase
genauso hoch wie in der Tilgungsphase. Die Hamburger Sparkasse verlangt ebenfalls niedrige Zinsen
während der Auszahlungsphase, aber hier ist der Zinssatz während der Tilgungsphase deutlich höher. Der
Zinssatz der DKB ist gleichbleibend, sowohl in der Auszahlungsphase als auch in der Tilgungsphase. Die
Unterschiede der Studentenkredite sind in Zahlen zusammengefasst recht hoch. Bezieht ein Student monatlich
500 Euro aus seinem Studentenkredit und das über 6 Semester hinweg, muss er für seinen Studentenkredit bei
der KfW insgesamt 2.300 Euro zurückzahlen, wenn er 12 Monate später mit der Rückzahlung beginnt und monatlich
500 Euro tilgt. Zu den gleichen Konditionen sind es bei der Deutschen Bank schon 4.300 Euro und bei der
DKB 4.000 Euro.
Monatliche Auszahlungen nicht bis zur Höchstgrenze ausschöpfen
Auch wenn man mit guten Berufsaussichten in das Studium startet und die Rückzahlungsphase noch in weiter
Ferne scheint, jeder Kreditnehmer eines Studentenkredites sollte nicht nur die Anbieter genau vergleichen, sondern
auch das monatliche Budget auf ein Minimum beschränken. Das Angebot der KfW klingt zwar verlockend, denn der
Studentenkredit wird unabhängig vom Einkommen der Eltern vergeben und es sind auch keine Sicherheiten
erforderlich, dennoch sollte man genau kalkulieren und die monatlichen Belastungen in der späteren
Rückzahlungsphase nicht unterschätzen.
Schon 500 Euro monatliche Tilgungsrate können zum Start in das
Berufsleben die Haushaltskasse stark belasten. Geht man gar vom Höchstsatz aus, das sind etwa 800 Euro
monatlich, sollte man sich genau ausrechnen wie viel man verdienen muss, um neben dieser Summe den kompletten
Lebensunterhalt bestreiten zu können. Der Studentenkredit sollte nicht die erste und auch nicht die einzige
Wahl sein. Zuerst sollte jeder einen Antrag auf Bafög stellen und Möglichkeiten eines Stipendiums in Betracht
ziehen. Alternativ zum Studentenkredit kann auch der so genannte Studienfonds in Anspruch genommen werden. Hier
muss der Studierende keine Zinsen zahlen, er muss später einen bestimmten Prozentsatz seines Einkommens zur
Rückzahlung aufwenden.
Außerdem sollte man immer in Betracht ziehen, dass neben der Kreditrückzahlung auch
nach dem Studium andere Wünsche warten, wie zum Beispiel eine eigene Wohnung, ein neues Auto, ein Urlaub oder
beispielsweise auch die eigene Existenzgründung. Es kann sich also durchaus lohnen während der Studienzeit
ein bisschen enger zu wirtschaften, später aber nicht in den ersten Jahren einen großen Kreditbetrag zurück
zahlen zu müssen.